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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 1.005 mal aufgerufen
 Kunstbrut
osnapicture ( gelöscht )
Beiträge:

17.05.2011 21:47
Was brauch ich zum Züchten? Antworten

Ich bin momentan eifrig am überlegen, ob ich selbst Wachteln züchten sollte. Ich bin mir sicher, dass ich dauerhaft mehrere Wachteln halten möchte, jetzt stellt sich mir nur die Frage wie kostenintensiv eine Zucht ist und was ich dafür noch brauche. Momentan halte ich nur 3 Wachteln in einer 1,50x1,50 großen Außenvoliere.

Meine Überlegungen, was ich anschaffen bzw. selbst bauen müsste:

- Brüter
- Kükenaufzuchtbox
- weitere Ställe
- Kükenfutter

liege ich da richtig?

Mir stellt sich jetzt auch die Frage, was mache ich dann mit den "überschüssigen Wachteln"? Hennen würde ich viele behalten wollen, nur was ist mit den Hähnen, für die ich keine Verwendung hätte? Finden sich dafür im Netz abnehmer? Schlachten traue ich mir nicht zu. Ich könnte notfalls auch ein eigenes Gehege für überschüssige Hähne einrichten, aber ich bin mir nicht wirklich sicher, ob eine reine Männergesellschaft funktioniert.

Mich würden hier die Erfahrungen von Leuten interessieren, die irgendwann selbst begonnen haben eigene Eier zu brüten. Wie habt ihr meine angesprochenen Probleme gelöst?


Nelje Offline

Modi


Beiträge: 3.984

18.05.2011 10:04
#2 RE: Was brauch ich zum Züchten? Antworten

Ich fürchte wen du Legewachteln züchten möchtest dann wirst du nicht ums schlachten herum kommen, leider ist es absolut unmöglich die Hähne loszuwerden und auch die Hennen können sich manchmal ganz schön anstauen. Natürlich kann man reine Hahnengruppen schaffen, aber das ist eine explosive Mischung, kaum hast du wieder Jungtiere hast du wieder 50% Hähne und die können dann nicht zur alten Hahnengruppe einfach so dazu sonst gibt es Krieg. Aber auch die Hennen sind nicht endlos friedlich auch hier ist es schwer in alte Gruppen neue Tiere zu integrieren. Was ist dann wen du mal eine große Brut angesetzt hast weil jemand vieleicht sogar Tiere bestellt hast, dann springt der ab wen deine Küken drei Wochen alt sind, und schon sitzt du auf 3o Wachteln, wohin dann damit?
Wen du nicht selber schlachten magst (Wobei ich dir versichere man gewöhnt sich schnell daran und Wachteln sind wirklich sehr lecker) dann hör dich mal um, vieleicht hat ein Fleischer oder hausschlachten in deiner nähe Interesse und nimmt dir die überzähligen Tiere ab. Aber eins habe ich in den vielen Jahren Wachtelzucht gelernt, verlass dich auf niemanden was zusagen angeht. Deine Wachteln sich dann verkauft wen du das Geld in der Hand oder auf dem Konto hast, keinen Tag vorher, Reservierungen sind absolut nutzlos.
So, nun zu den kosten, mal abgesehenen von den Anschaffungen die ich mal raus lasse weil sie einmalige Kosten sind, kommen eine ziemliche Menge laufender Kosten auf dich zu, Dazu gehören Strom für die Beleuchtung um den Tag künstlich zu verlängern, um Wärmeplatten und Wärmelampen zu betreiben und den Brüter. Als Beispiel, ich habe meine Volieren in der Scheune draußen, im Winter halte ich also kalt, 5°c müssen es aber zur Gesundheit der Wachteln schon sein. Der Tag wird auf Winter gehalten was die Beleuchtung angeht, also auch nur 10 Stunden in denen die Vogellampe brennt. Aber ab und an ist ein Tier krank, schwächelt und braucht wärme, es sitzt dann also man schnell eine Woche unter der Wärmelampe. Gezüchtet habe ich im Winter nicht, also kein Brüter. Der Strom in dem letzten Winter hat mich ein vermögen gekostet.
Die Zuchtsaison fällt der Frostwächter (Heizung) aus, dafür kommen Brüter und Wärmeplatten dazu, der Tag muss im Frühjahr noch künstlich mit Lampen verlängert werden damit die Hennen auch gut legen und ich Bruteier zusammen bekomme. Nun kommt noch das Futter dazu, am ärgerlichsten ist das Futter was du in jene Tiere steckst die keiner nimmt, eine Hahnengruppe ist schön, Frist aber auch eine Menge, muss gemistet werden, leg keine Eier und zankt ständig was dazu führt das wieder Tierarzt und Rotlicht anfallen wen du da mal nachrechnest weil du wieder im Monat 50€ für Futter ausgegeben hast, dann wird man wehmütig.
Alles in Allem ist die Wachtelzucht ein schönes Hobby, aber es ist absolut unrentabel, das muss von Anfang an klar sein, und das sage ich, ich züchte Zwergwachteln in Rotbrußt, die bekomme ich für 30€ das Paar an den Mann, für Legewachteln bekommst du wen’s hoch kommt 4,60€ pro Tier und da verkaufst du immer nur einen Hahn auf 4-6 Hennen, es schlüpfen aber Hähne wie Hennen zu gleichen Teilen. So ein Hobby kostet Geld, ich würde mit 200€ pro Monat rechnen, in manchen ist es mehr, in manchen weniger, aber wen man die Tiere Artgerecht halten will und als Ziervögel verkaufen, dann ist auch ein Tierarzt unumgänglich, nicht zu vergessen ein Quarantäneraum. Und ein Vogelkundiger Tierarzt kostet schon dann viel zu viel Geld wen man nur durch die Tür kommt.

Wen du es durchziehen möchtest würde ich bei Legewachteln mindestens drei Stämme einer Farbe halten um auch später blutsfremd verpaaren zu können, oder zwei Stämme und dann den Hahn regelmäßig austauschen. Dazu brauchst du noch ausweichquartiere für die Küken und Jungvögel die noch auf den Verkauf warten, eine Quarantänestation für neue und kranke Tiere mit Wärmelampe oder Platte die gut desinfizierbar ist und min eine große Voliere für den Überschuss den dann doch keiner wollte. Das mit dem Schlachten solltest du nochmal durchdenken. Am besten wäre es du würdest in deiner Umgebung/ Bekanntenkreis jemanden finden der dir zeigt wie das schnell und schmerzlos gemacht wird und dir die ersten male hilft.

Lg
Nelje

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"Die Aussage 'Kein Mensch wäre so dumm, so etwas zu tun' stimmt nicht. Irgend jemand wäre immer so dumm, etwas wirklich Dummes zu tun - nur um zu sehen, ob es möglich wäre. Wenn du in einer versteckten Höhle einen Schalter anbringst und ein Schild aufhängst 'ENDE-DER-WELT-SCHALTER. BITTE NICHT DRÜCKEN', hätte das Schild nicht einmal Zeit zu trocknen."
-- Terry Pratchett - "Thief Of Time"


osnapicture ( gelöscht )
Beiträge:

18.05.2011 10:21
#3 RE: Was brauch ich zum Züchten? Antworten

Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Dass eine Zucht nicht rentabel ist, darüber bin ich mir im Klaren. Mir geht es auch nicht darum, damit Geld zu verdienen, sondern ich würde das nur als Hobby machen. Ich hatte auch nicht vor mehr als 1-2 Mal im Jahr zu brüten.

Aber wahrscheinlich komme ich dann wirklich nicht ums Schlachten herum. Da bräuchte ich natürlich wirklich jemanden, de mir das fachgerecht zeigen könnte. Ich will den Tieren ja kein Leid zufügen. Gibt es hier im Forum vielleicht jemanden aus dem Raum Osnabrück, der mir das zeigen könnte?


Elli11 ( gelöscht )
Beiträge:

18.05.2011 18:12
#4 RE: Was brauch ich zum Züchten? Antworten

Also da kann ich Nelje nur beipflichten!
Ich habe ja das Glück, für 2 Züchter Küken groß ziehen zu können und ich behalte mir auch immer welche, die ganz besonders zahm oder lieb sind. Das heißt, sie nehmen mir auch die Hähne ab - für neue Zuchtstämme wenn es besondere Farben sind - oder eben zum schlachten.
Doch so schön dieses Hobby der Aufzucht ist, so zeit- und auch kostenintensiv ist es, wenn man den Tieren vieles bieten und sie artgerecht groß ziehen bzw. dann auch halten möchte.
Auch wenn man noch so vorsichtig ist, passiert es leider immer wieder mal, dass ein Küken nach dem Schlupf Spreizbeinchen hat, oder so schwach ist, dass man es erlösen muss. Das gehört zur Aufzucht auch dazu und wenn man es nicht kann, soll man gar nicht erst anfangen zu züchten, denn solche Fälle sind leider wirklich unvermeidbar.

Ich habe mich wirklich sehr intensiv vorbereitet, mir inzwischen 2 Brüter gekauft, Wärmelampen, Wärmeplatten, Aufzuchtsbox und vieles mehr und habe wirklich sehr viel Geld vorab investiert, damit ich die Kleinen gut versorgen kann.

Natürlich muss man nicht so viel Geld ausgeben, aber ein guter Brüter ist meines Achtens Voraussetzung für eine Brut, da es ja um Lebewesen geht und man soll mit einem Billigbrüter kein Risiko eingehen. Ich denke eine Grundinvestition um die 300 Euro ist auf jeden Fall nötig, eine große Voliere nicht mit berechnet.

Es ist wirklich toll, die bezaubernden Tiere groß zu ziehen und sie erleben zu dürfen, aber wie gesagt, man muss auch sicher sein, dass sie ein gutes Plätzchen bekommen, wenn man sie nicht selbst behalten kann. Dessen musst Du Dir auch immer bewusst sein.

Wir wollen es Dir mit Sicherheit nicht ausreden, Wachteln zu züchten, sondern Dich eben darauf aufmerksam machen, was auf Dich zukommt und mit welcher Verantwortung es verbunden ist.
Eines ist jedenfalls sicher: so einen Schlupf mal zu mit zu erleben ist ein unglaublich tolles Erlebnis und lohnt sich in jedem Fall! Wenn Du nicht so viele Wachteln halten willst, dann besorge Dir Eilein von unterschiedlichen Paaren und halte Dir einen Stamm. Freude hast Du bestimmt allemal an den Tieren!


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