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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 202 mal aufgerufen
 Allgemeines Verhalten
Aynur Offline



Beiträge: 7

01.06.2019 23:38
Junge Legewachtel Zehenpickerin antworten

Hallo liebe Fories,
ich möchte mich erst mal kurz vorstellen, bevor ich euch mit meinem Problem daherkomme.

Ich heiße Aynur, bin 46 Jahre alt und wohne mit meiner Familie in einem Dorf im schönen Mittelhessen. Vor zwei Jahren habe ich mit der Wachtelhaltung begonnen - 5 bunte Legewachteln waren in meine Voliere eingezogen - und letztes Jahr auch mit der Hühnerhaltung .

Nachdem mein Bestand nun auf zwei ältere Wachteldamen geschrumpft ist, habe ich die Voliere renoviert und vor ein paar Tagen eine Truppe junger Legewachteln (Schlupfgeschwister, 6 Wo. alt, beginnen zu legen) geholt. Die Mädchen sind ruhig und recht zutraulich. Die Zusammenführung mit den beiden älteren klappt problemlos: ich habe eine Abtrennung für die Voliere gebaut, sie können sich durch das Gitter kennen lernen, aber Prügeleien sind nicht möglich. So wollte ich das erst mal eine Woche lassen.

Schon am nächsten Tag ging der Ärger im Junghennenabteil los: eine Junghenne (sie legt schon) pickte allen Schwestern die Zehen blutig! Ich habe die Verletzten mit Blauspray behandelt, das Picken ging weiter. Die Täterin machte einen sehr aufgeregten Eindruck, lief ständig an der Abtrennung hin und her, als ob sie rüber wollte. Also durfte sie zu den beiden älteren, dann war auf beiden Seiten Ruhe. Sie hat den älteren auch nicht in die Zehen gehackt. Da meine alten Damen so friedfertig sind, habe ich heute schon die Abtrennung entfernt. Es gab kein Gezanke zwischen Alt und Jung. Erstaunlich! Aber das Zehenpicken ging sofort wieder los, da hatte ich noch nicht einmal die Abtrennung richtig aus dem Gehege gewuchtet. Die alten pickt sie aber nicht. Jetzt sitzt die Krawallwachtel erst einmal bei Wasser und Legepellets in Einzelhaft, sie können einander sehen, aber sie kann nicht picken. Alle anderen sind friedlich und entspannt.

Was kann dieses Verhalten ausgelöst haben? Bei der Abholung waren alle Tiere unverletzt.
Ich habe bereits von einem solchen Verhalten bei Hühnern gelesen. Da liegt wohl ein Proteinmangel zugrunde. Könnte es hier ähnlich sein? Die Jungwachteln kennen bisher nichts (!) außer 'Kükenmehl'. Keine Körner, keine Legepellets, keine Kräuter, kein Gemüse, keine Mehlwürmer. Sie fangen jetzt an, das alles von den beiden älteren zu lernen. Bei mir gibt es kein 'Mehlfutter', das frisst hier keiner. Die Legepellets musste ich einweichen, damit die jungen sie annehmen.
...und nein, das kann nicht an der Fütterung von Mehlwürmern liegen, mit denen die Zehen der anderen verwechselt werden (von dieser Theorie habe ich bereits gelesen). Die Jungwachteln haben noch nie einen Mehlwurm gesehen. Keine konnte damit etwas anfangen, als ich sie ihnen heute gezeigt habe. Sie wussten nicht, dass man die essen kann, die alten Wachteln haben alle Würmer verspeist.


anra6 Offline



Beiträge: 35

17.06.2019 16:33
#2 RE: Junge Legewachtel Zehenpickerin antworten

Hallo Aynur,

ich möchte dich zunächst willkommen heißen. Leider habe ich überhaupt keine Idee, weshalb die junge Henne sich so über ihre Altersgenossinen hermacht, insbesondere mit Zehenpicken, sehr interessant. Hat sich das inzwischen gelegt? Du schreibst ja von einer "bunten Truppe". Es gibt viele Beobachtungen hier im Forum, dass diese bunten Truppen nicht immer gut harmonieren. Könnte es daran liegen?

Es würde mich wirklich interessieren, wie es weitergegangen ist.

LG Anita


lupinchen Offline



Beiträge: 348

Gestern 16:49
#3 RE: Junge Legewachtel Zehenpickerin antworten

Mich interessiert es auch, wie es weiter ging ...

derzeit 0,5 Legewachteln


Aynur Offline



Beiträge: 7

Gestern 23:06
#4 RE: Junge Legewachtel Zehenpickerin antworten

@ anra6 - So richtig bunt war meine erste Wachteltruppe: weiß bis rostbraun (hier gab es keine Probleme), von denen sind nur die zwei weißen übrig.
Die neuen sind Schwestern aus einem Gelege, zusammen aufgewachsen, alle goldsprenkel. Bunt ist die Truppe schon, aber alle hell. Ich habe darauf geachtet, dass nicht zu viel Farbe in die Truppe kommt, da ich ja nicht wusste, wie meine alten auf die farbigen neuen reagieren würden.

Tja, die Zehenpickerei ist inzwischen eine lange Geschichte geworden. Wir sind mit dem Problem auch noch immer nicht durch.
Die erste Übeltäterin kam ja in Einzelhaft. Ich habe im www recherchiert, aber nichts wirklich belastbares bezüglich Wachteln und Zehenpicken gefunden, nur eine Abhandlung über das selbe Problem bei Legehühnern in kommerzieller Haltung. Da gab es verschiedene Theorien, was Zehenpicken und/oder andere Formen des Kannibalismus bei Legehennen auslösen könne.
U.a. waren da genannt:
+ die Herkunft: bei bestimmten Legehybrid-Stämmen häufiger als bei anderen (trifft hier weniger zu),
+ zu dichter Besatz des Stalles, dadurch Stress, fehlende Ausweichmöglichkeiten für rangniedrigere Tiere, usw,
+ eintönige Umgebung/Langeweile,
+ zu proteinarmes Futter,
+ Auffällige Häufung der Problematik in bestimmten Lebensabschnitten, u.a. zu Legebeginn, Federwechsel (Blutkiele) etc.

Ich hatte also verschiedene Lösungsansätze für meine Wachtel (sie legte schon, andere Schwestern noch nicht):
+ sie bekam in der Einzelhaft mehr Protein, sprich mehr Legepellets, keine proteinarmen Leckerlies wie Wassermelone, Gurke, etc.
+ beide Abteile wurden mit weiterem Interieur ausgestattet wie versch. Topfpflanzen, Weidentunnel
+ verschiedene Einstreu: Sand, Hanfhächsel, Holzchips
Zu klein ist die Voliere eigentlich nicht für die Anzahl der Tiere. Der Züchter hatte so etwas selbst auch noch nicht, obwohl die Tiere dort einen wesentlich kleineren und langweiligeren Stall zur Verfügung hatten.

Nachdem die Wachtel ein paar Tage einzeln saß, kam es wieder zu einem Zehenpicker-Massaker in der Voliere. Alle Wachteln außer einer - der Täterin - waren verletzt, diesmal auch die alten. Es schien mit dem Legebeginn dieser Wachtel zusammenzuhängen. Auch diese kam in Einzelhaft wie die erste. Danach fing die dritte an (nun waren alle Einzelhaftplätze belegt), dann die vierte (seufz!), die habe ich zu der ersten gesetzt. Ein paar Stunden war Ruhe, am nächsten Morgen ging es hier weiter: die Aggression ging von der vierten aus, die erste war friedlich und wurde zum Opfer. Also habe ich sie verarztet und zu der fünften - die rangniedrigste und absolut friedliche - und den alten in die Voliere zurückgesetzt (Dort hat sie sich den Schnabel gebrochen, s. anderes Thema).

Es gab in den vergangenen Tagen etliche Wiedereingliederungsversuche, bisher hat es aber nur eine außer der ersten Täterin geschafft, nicht rückfällig zu werden. Zwei Wachteln sitzen immer noch im Knast bei Wasser und Legepellets...
Alle zwei Tage versuche ich, sie wieder in die Gruppe zu integrieren. Nachdem das Zehenpicken dieser Krawallwachteln anfangs schon nach weniger als 5 Sekunden losging, schaffen wir jetzt schon ein paar Minuten ohne Gewalttaten gegen die anderen. So schnell gebe ich nicht auf...


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