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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 975 mal aufgerufen
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Xanthi Offline




Beiträge: 13

15.09.2018 16:08
Kreuzschnabel- eine berührende Geschichte antworten

Hallo, liebe Forumsmitglieder!
Ich möchte euch heute eine Geschichte von meiner Integrationswachtel erzählen.
Sie heißt Rasierklinge und lebt mit sechs Gefährtinnen (Güntha, Houdini, Shaqiri, Hummel, Josephine, Maschinsky) in unserer Außenvoliere.
Sie war immer eine der wohlgenährtesten Wachteln, trotz Kreuzschnabel. Diesen habe ich mit großem Respekt (weil sehr verunsichert und ängstlich, dass ich sie verletzen könnte) gelegentlich etwas zurechtgefeilt.
Nun waren wir alle in letzter Zeit sehr gefordert und konnten uns nur dürftig um die Tiere kümmern. Schnell rein, Wasser, Futter, durchzählen, Eier suchen- fertig!

Am Dienstag setzte ich mich dann nachmittags zum Entspannen in die Voliere und wollte mich wieder einmal etwas intensiver um die Tierchen kümmern. Da kam Rasierklinge uns stupste mich mit ihrem Schnäbelchen sanft an (am Wadl). Die anderen gehen da etwas resoluter vor und zwicken mich, wenn sie einen Mehlwurm bestellen, aber das kann sie ja mit ihrem schiefen Schnabel nicht.
Ich nehme sie also in die Hand und mich trifft der Schlag! Es fühlte sich an wie ein Luftballon mit Federn- so abgemagert war sie. Der Schnabel war ein gewaltiges Stück weitergewachsen- der untere sehr lang, der obere sehr stark eingerollt. Beim Zurücksetzen musste sie auch erst einmal etwas torkeln, so geschwächt war sie schon. Nach einem kurzen Familienrat beschlossen wir, zur Lebensrettung eine rigorose Schnabelkürzaktion durchzuführen. Mit dem Nagelzwicker funktionierte das nicht so gut, weil der Schnabel zu dick war. Also holten wir den Zehennägelschneider. Zwick, zwack! Beim Unterschnabel hat sie kurz gezuckt, beim oberen war nichts. Es war unblutig. Dann kam sie noch auf die Waage: Magere 130 g! Im Vergleich: Die anderen wiegen zwischen 300 und 340 g! (Sind sie zu dick?)
Wir haben dann noch eine spezielle Futtermischung für sie angefertigt (Legemehl mit geschredderten Mehlwürmern), die sie zweimal täglich vorgesetzt kriegt. (Da kommen die anderen wie Kampfjets angedüst!) Und so legte sie tatsächlich in nur zwei Tagen auf 164 g zu! Alle waren happy!
Gestern früh musste ich dann leider eine schreckliche Entdeckung machen. Rasierklinge war unglücklich gestürzt und so kam es, dass sie in Seitlage zwischen einem Stein und dem Gitter eingeklemmt war. Erst dachte ich, das wärs jetzt gewesen, doch als ich sie befreit hatte, bemerkte ich, dass sie noch am Leben war. Sie war aber so schwach, dass sie nicht einmal fressen konnte. Sie hat sich an die Wand gelehnt und im Stehen gedöst.
Nachdem sie sich von dem Schock und dem Befreiungskampf (der ja im Idealfall nur kurz, im schlimmsten Fall jedoch 11 Stunden gedauert haben könnte) erholt hatte, begann sie wieder zu fressen und startete ihren Triathlon. Fressen, saufen, in ein Hüttchen marschieren zum Schlafen, fressen, saufen, ab ins Hüttchen, fressen, ….
Heute wiegt sie 180 g und kann schon sicher landen, wenn sie eine kleine Stufe nimmt.
Ich weiß, dass es von manchen verurteilt wird, einen Kreuzschnabel am Leben zu lassen.
Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, dieses Tier bei uns aufzunehmen.
Wir haben diesen Vogel besonders gern!
Ich hätte es nicht leicht verarbeiten können, wenn Rasierklinge durch unseren Pflegefehler verhungert wäre, weil wir nicht achtsam genug waren!
Wir sind sicher, dass sie überm Berg ist.
Und selbstverständlich gibt es keine Spalten mehr in der Voliere, in denen man eingeklemmt werden kann.
Und ich wusste auch nicht, dass einem ein Vogelschicksal so nahegehen kann.

Ich wollte diese Geschichte einfach loswerden!
Liebe Grüße!
AlexandraIMG_2534.JPG - Bild entfernt (keine Rechte)
IMG_2574.JPG - Bild entfernt (keine Rechte)

Fuchs und Marder, tschüss mit Ü, egal ob abends oder früh!

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 IMG_2574.JPG 

hansen Offline



Beiträge: 817

16.09.2018 07:25
#2 RE: Kreuzschnabel- eine berührende Geschichte antworten

Hallo,
die Geschichte ist gut.
Aber wie du schon sagtest,
in der Natur wäre sie schon als Küken gestorben.
Leider ist es so!!
Gruß Hansen


Sandmann Offline



Beiträge: 1.302

16.09.2018 10:40
#3 RE: Kreuzschnabel- eine berührende Geschichte antworten

Hallöchen, ja wir Frauen machen das wohl so.
Meist sind die Wachteln für uns auch eher Haus als Nutztiere.
Ich habe auch immer mal eine bis zwei Pflegefälle in der Gruppe,die nicht eingeschläfert werden, solange sie zurecht kommen und sich nicht quälen.
Dennoch gehe ich immer mal zum Tierarzt um die Fälle einschätzen zu lassen,so stelle ich sicher, dass keine unnötig leiden muß und notfalls eingeschläfert werden.
Regelmäßig wiegen und sich Zeit nehmen sollte immer drin sein um den Tieren gerecht zu werden.

LG Sandmann


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